Geschrieben von Max Schlenker

Geschichte wird erst so richtig erlebbar, wenn sie einen direkt betrifft oder man etwas in den Händen halten kann - und das geschieht in der Regel im Archiv. Vor Kurzem waren wir im Freiburger Staatsarchiv und haben einen netten kleinen Fund gemacht, den wir nicht vorenthalten wollen. Und wir gehen sogar davon aus, dass vielen Adelhausern vor 150 Jahren dieses Schriftstück auch bekannt war. 

1848 schwappen nach der Februarrevolution in Frankreich ähnliche Gedanken in die Länder des Deutschen Bunds. In Frankfurt wird eine Nationalversammlung ausgerufen, aber in den deutschen Landen verläuft die Revolution recht unterschiedlich und kaum zusammenhängend. Letzten Endes scheitert sie mitunter deshalb. 

Geschrieben von Daniel Kähny 

Dolinen  findet man auf dem Dinkelberg recht häufig und sie können sehr steil und tief sein. Eine der bekannteren auf dem Dinkelberg ist das "Tiefe Loch" im Gewann Jungholz. Sie liegt in der Nähe des Weges von Adelhausen nach Wiechs bzw. Nordschwaben. Mit meinem Vater waren wir als Kinder sehr oft auf dem Dinkelberg unterwegs. Wenn wir auf dem Weg von Adelhausen nach Wiechs waren, kam immer wieder die gruselige Geschichte eines Mannes, der angeblich in diesem Wald erschlagen wurde und dann in eine große Doline (das "Tiefe Loch") geworfen wurde. Als man ihn ein paar Monate später fand, soll der Tote Namens Kreuz, der angeblich ein französischer Deserteur aus dem 1. Weltkrieg war, tot auf einem Absatz gesessen sein und den Kopf mit der Hand gestützt haben. Wir dachten immer, das sei eine erfundene Geschichte, um uns abzuhalten, in Dolinen zu klettern. Außerdem gab es immer wieder eine andere Version der Geschichte. 50 Jahre nach diesen Ausflügen bin ich bei einer Recherche im Staatsarchiv Freiburg auf die Akte A 26/2 Nr. 261 1-3 mit dem Titel „Mord, Anstiftung zum Mord (am Fabrikarbeiter Ludwig Creutz, Rheinfelden)“ gestoßen. Es gab diesen Fall tatsächlich und er geschah in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1919 gegen Mitternacht. Nach mehr als hundert Jahren sind die Akten für alle zugänglich. Was war tatsächlich passiert? Die Akte umfasst weit über 100 Seiten. Man sieht, dass die Mordkommissionen schon in dieser Zeit akribisch gearbeitet hatten. Ich verpasse jetzt den "Tatort im Ersten", aber das Lesen der Akte ist viel spannender.

Geschrieben von Daniel Kähny

Wie ihr sicher bemerkt habt, hat sich der Titel des Blogs leicht geändert. Wir haben ihn um "und Umgebung" erweitert. Mit Umgebung ist hauptsächlich die Heimat meiner Mutter (Gersbach) gemeint. Die Geschichte um die "Sunnewirths" hat uns auch motiviert diesen Teil der Geschichte zu erforschen. Pünktlich zum 11.11. waren Max und ich im Staatsarchiv in Freiburg und nicht bei der Eröffnung der närrischen Saison. Wir haben dort einiges an Dokumenten zur Geschichte von Gersbach und Adelhausen gesichtet. Und da gab es auch ein paar Überraschungen.

Ab Dezember 2021 wollten wir die Veröffentlichungen auf einen 14-tägigen Rhythmus umstellen. Doch das Interesse am Blog mit durchschnittlich 30 Zugriffen pro Tag hat uns motiviert den wöchentlichen Rhythmus beizubehalten. "Material" haben wir noch genug. Direktes Feedback (Rückmeldung) bekommen wir zwar immer noch nicht, aber die Zugriffe zeigen, dass es Leser gibt. Max und ich fragen uns öfters wer die Leser ausserhalb der engeren Familie sind.  Macht also Werbung in eurer Familie und im Bekanntenkreis, dass wir bald 50 Zugriffe pro Tag schaffen.

Dann sehen wir mal was es mit der "Rauchhühnerabgabe" in Adelhausen auf sich hat, warum keine Straßenbahn von Lörrach nach Adelhausen fährt, was es mit dem "Wachthaus" und dem "Wirtschaftsstreit" in Adelhausen auf sich hat. Die Bürgermeisterwahl(en) bzw. Ernennung in Adelhausen direkt nach dem Krieg war auch sehr kompliziert. Den "Mord im Jungholz (Wiechser Wald)" sind wir auch noch schuldig. Aber Recherche braucht ihre Zeit. Es macht uns Spaß und deshalb dürft ihr auch weiterhin interessante Geschichten verschiedenster Art erwarten.

Rückmeldungen "wie üblich" an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Geschrieben von Daniel Kähny und Max Schlenker (Teil 3)

Die Gastwirtschaft zur Sonne feiert 1769 das 30-jährige Jubiläum. Doch Andreas Sutter ist es nicht nach feiern. Am 19.Februar 1769 schreibt er einen Brief an den "Durchleuchtigster Marggrav, gnädigster Fürst und Herr".

"Durchleuchtigster Marggrav, gnädigster Fürst und Herr!
Gersbach 19ten Febr. 1769
Andreas Sutter der vieljährige Sonnenwirth allda, bittet unterthänigst seine Wirtschaft gegen Entrichtung des Tavernzinses ad tempus einstellen zu dürfen". Was war passiert?

Kleine Plauderei von Fritz Kuder, Adelhausen (ca. 1971) mit einer Einleitung von Daniel Kähny

Wie schon öfters berichtet waren wir "Oberdörfler" Kinder Stammgäste bei Gotte Liesbeth und Onkel Hermann im Unterdorf. Ganz besonders interessant war es, wenn Onkel Hermann Besuch hatte. Pater Heinrich Janßen (nicht zu Verwechseln mit dem Weihbischof Heinrich Janßen) war Missionar bei den Steyler Missionaren und verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Westindien, dem heutigen Indonesien. Seine Geschichten faszinierten uns Kinder ganz besonders, in einer Zeit wo es kein Internet und soziale Medien gab und das Fernsehen sich auf drei Programme beschränkte, die von 16h00 bis 24h00 ausgestrahlt wurden. Lesen sie selbst:

Heinrich Janßen - der reitende Pater
geschrieben von Fritz Kuder (geb. 1897 / gest. 1983) ca. 1971
 
Wer vor wenigen Wochen die Gemeindewege zwischen Adelhausen und Eichsel beschritt oder befuhr, konnte einem seltsamen älteren Reitersmann begegnen, der mit seinen 65. Jahren noch in strammer Haltung auf seinem Pferdchen saß. Trotz teilweiser Tarnung erkannte man in ihm einen Herrn des geistlichen Standes. So war es auch. Herr Pater Heinrich Janßen war schon im vorigen Jahr in Adelhausen zu Besuch. Der Schwarzwald und die Dörfer Adelhausen und Eichsel gefielen ihm so gut, daß er die Vertretung für Pfarrer Wollmann übernahm.

Geschrieben von Daniel Kähny und Max Schlenker (Teil 2)

Im Beitrag Gastwirtschaft zur Sonne in Gersbach: der Anfang hatten wir grob über den Beginn der Geschichte der "Sonne" berichtet. Nachdem der größte Teil des Schriftverkehrs von 1739 transkribiert ist, ergibt sich jetzt ein gutes Bild über den Ablauf. Der Schriftverkehr besteht aus sechs Dokumenten:

Quelle: Landesarchiv Baden-Würrtemberg B 740/1 Nr. 1368 (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=5-2055684). Falls jemand diese Dokumente weiter verwendet bzw. publiziert, muss die Signatur des Landesarchivs immer angegeben werden.

Was sofort auffällt, ist der kurze Zeitraum vom Antrag bis zur Erteilung der Concession. In der heutigen Zeit würde das trotz moderner Kommunikationsmöglichkeiten sicherlich wesentlich länger als 5 Wochen, wenn nicht Monate, dauern.

Den Antrag vom 17.10.1739 haben wir schon in Gastwirtschaft zur Sonne in Gersbach: der Anfang behandelt. Die Begründung im Antrag gibt jedoch ein paar Details zum Standort und Situation der Gastwirtschaften in Gersbach preis.

Erste Erwähnung des Namens "zur Sonnen" im Antrag vom 17.10.1739