Geschrieben von Max Schlenker

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben, hat der ein oder andere aus unserer Verwandtschaft den Ersten Weltkrieg an der Front miterlebt (Onkel Hermann und der letzte deutsche Kaiser). Auch Urgroßvater Rudolf Kähny (Die Kähny-Motsch-Baumgartner Galerie) war dabei - und seine Unterlagen für die Wehrausbildung 1916 haben sich bis heute erhalten. Auch er hatte das Glück gehabt, im Gegensatz zu vielen seiner Kameraden, den Krieg unbeschadet zu überstehen.

Dass die Ausbildung vor 100 Jahren und mitten im Krieg vor allem technisch eine ganz andere war, erklärt sich von selbst. Aber auch die Ausbildungsunterlagen selbst offenbaren ein ganz anderes Verständnis von Krieg: Er wird zum heroischen Kampf Mann gegen Mann verklärt. Selbst der Kampf ohne Schusswaffe im Felde wird trainiert. Die Ausbildung scheint gewissermaßen noch aus dem Jahrhundert zuvor zu stammen, in dem die Waffen noch nicht so hochmodern und tödlich waren.

In mehreren kleinen Büchlein geht es um Marschordnungen, Gehorsam und Formationen - die Realität in den Schützengräben mit ihrer Mensch- und Materialschlacht an der Front ist freilich längst eine ganz andere.

Besonders eindrucksvoll finde ich eine Tabelle mit einem Fünf-Wochen-Trainingsplan für "Freiübungen mit und ohne Gewehr", "Trittbewegungen", "Stöße" und "Deckungen". Der Fokus liegt auf Stoßübungen - im Training gegen Puppen oder den "Lehrer", wie der Ausbilder genannt wird. In der vierten Woche geht es um "das Erkennen von Finten des Gegners". Zum Abschluss geht es um "Trittbewegungen im Sturmanzug" und um das Üben von "Scheinstößen".

Ob die ausgefeilten Techniken, Finten oder Stöße ohne Waffe in den Schützengräben auch wirklich zum Einsatz gekommen sind, können wir allerdings nicht mehr nachzeichnen.

 

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