Geschrieben von Max Schlenker

Geschichte wird erst so richtig erlebbar, wenn sie einen direkt betrifft oder man etwas in den Händen halten kann - und das geschieht in der Regel im Archiv. Vor Kurzem waren wir im Freiburger Staatsarchiv und haben einen netten kleinen Fund gemacht, den wir nicht vorenthalten wollen. Und wir gehen sogar davon aus, dass vielen Adelhausern vor 150 Jahren dieses Schriftstück auch bekannt war. 

1848 schwappen nach der Februarrevolution in Frankreich ähnliche Gedanken in die Länder des Deutschen Bunds. In Frankfurt wird eine Nationalversammlung ausgerufen, aber in den deutschen Landen verläuft die Revolution recht unterschiedlich und kaum zusammenhängend. Letzten Endes scheitert sie mitunter deshalb. 

Teil der Revolution, insbesondere im Großherzogtum Baden, ist der Struve-Aufstand. Gustav Struve war bereits Teil des Heckerzugs und hatte sich nach dessen Scheitern mit vielen Mitstreitern in die Schweiz abgesetzt. Als es im September in Frankfurt zu blutigen Straßenkämpfen kommt, greifen auch Struve und seine Mitstreiter wieder in die deutschen Geschehnisse ein. Sie besetzen Lörrach und Struve ruft vom Lörracher Rathaus am Abend des 21. Septembers 1848 die deutsche Republik aus. Mit dabei ist auch ein Adelhauser aus der näheren Verwandschaft: der 29jährige Anton Kähni, Onkel des Kaufmanns Heinrich Kähny

Die Revolutionäre verteilen Flugblätter und verhängen das Kriegsrecht. Struve will weitere Städte einnehmen, doch sein Zug wird nach nur wenigen Tagen niederschlagen und Struve verhaftet. Es kommt zum Prozess und Struve wird zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Die Prozessakten können im Freiburger Staatsarchiv eingesehen werden und darin hat sich eben auch nachfolgendes originales Flugblatt erhalten, das Struve, Kähni und ihre Mitstreiter damals verteilt haben. Anton Kähni wird übrigens auch verhaftet, bricht aus der Haft aber aus und emigriert in die USA. Aber das erzählen wir ausführlich an einer anderen Stelle. 

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