Ein Beitrag zu einer etwas anderen Heimatgeschichte, von Max Schlenker (3. Oktober 2021)

 Eigentlich wollen Hedel und Horst nur ihren Hochzeitstag genießen, doch aus dem romantischen Dinner an einem milden Herbstabend wird nichts. Nachwuchs hat sich angekündigt – und so gibt es kein Gyros beim Lieblingsgriechen, sondern es geht direkt ins nächste Krankenhaus. Immerhin: Die Geburt dauert auch nicht länger als ein Abendessen – der Jüngling zeigt also jetzt schon Eigenschaften, die ihn sein Leben lang prägen werden: Besonnenheit, Ruhe, Unkompliziertheit und eine ausgeprägte Robustheit. Die Eltern sind dem Jungen sofort verfallen und können dem süßen Antlitz nicht widerstehen, wie dem kostenfreien Ouzo nach einer Rechnung beim Griechen.

Benannt wird der Knabe nach zwei historischen Persönlichkeiten, deren Taten er noch bei Weitem übertreffen wird: Daniel Düsentrieb, dem legendären Tüftler von Walt Disney, und Heinrich I., dem ersten deutschen König. So oder so ähnlich müssen Geburt und Namensfindung des Jubilares stattgefunden haben.

Aus unserem Daniel wächst ein prächtiger junger Mann heran. Mit 15 Jahren wird er vor die Wahl gestellt: Mofa oder Funkgerät? Und er beweist Weitsicht und entscheidet sich für das Funkgerät, da der Verbrenner ohnehin keine Zukunft hat. Aus der Leidenschaft wird bald mehr: Nach dem Abitur möchte der hochintelligente Bursche studieren. Dafür muss er sein angestammtes Heim, seine alte Liebe Adelhausen verlassen und in die weite Welt hinausziehen. Aus unserem Daniel wird ein Mann. Er beginnt sein Studium an der Universität Karlsruhe und schnell ist klar, er ist zu Höherem berufen: Aus der Passion wird eine Dissertation. Unser Daniel ist auf dem Gipfel seines intellektuellen Schaffens angekommen. Und selbst eine Frau hat im Leben des umworbenen Genies noch Platz: Er lernt seine Charlotte auf einem der legendären Skatabende im Karlsruher Untergrund kennen. Die beiden finden schnell Gefallen zueinander und selbst seine Eltern kann die weltgewandte Städterin schnell um den Finger wickeln.

Daniel ist also in festen Händen und hat eine kongeniale Partnerin, die ihn bei allen Entscheidungen bedingungslos unterstützt. Und das braucht er: Denn er fühlt sich zu Größerem berufen. Erste berufliche Stationen führen ihn in das nahe und ferne Ausland, in die Kälte der Arktis und die Hitze der Toskana. Aber Daniel ist ein Macher. Mit seinen Studienkollegen baut er ein Unternehmen auf und kümmert sich um den weltweiten Vertrieb. Daniel wird ein Jetsetter. Er führt ein Leben zwischen Paris und London, zwischen Concorde, Chanel und Champagner. Er hat jeden Kontinent und fast jedes Land bereist. Er sorgt für sichere Telekommunikations- und Funkverbindungen auf der ganzen Welt. So manche große Wendung hätte ohne sein Zutun vielleicht nie stattfinden können, wie etwa die Euroeinführung, Deutschlands Sieg bei der WM 2014 oder das Comeback der Scorpions.

Nach vielen Jahren als Leiter der Pariser Zentrale seines Unternehmens und vielen Nächten in den Pariser Boulevards zieht es den Weltenbummler aber zurück in die Heimat. Er hat ausgesorgt und möchte wieder mehr für die Familie da sein. Seine beiden Töchter sind in guten Händen und längst aus dem Haus – nun gehört er ganz seiner Charlotte…

… könnte man meinen. Denn unser Daniel ist immer noch rastlos. So hat er zwar längst High Society gegen Heckenschere, Weltkarte gegen Wanderschuhe und Rolex gegen Radieschen getauscht. Privatier statt Privatjet heißt es jetzt. Aber dennoch setzt unser Daniel die Akribie und die Zielstrebigkeit, die ihn jahrelang im Beruf angetrieben haben, nun im Privaten fort – und reist damit sein ganzes Umfeld mit. Daniel ist und bleibt ein Macher, eine Führungsfigur, ein Vorbild. Er ist nun der Heimatforscher aus Adelhausen, ein gefürchteter Vorgartenbesitzer, ein manchmal etwas ungelenker Opa und immer noch ein weltweit führender Funker. Daran teilhaben darf mit Begeisterung seine ganze Familie.

So sind diese 60 Jahre auch nur eine Zwischenstation – denn so Vieles wartet noch auf unseren legendären Tüftler, auf unser Familienoberhaupt, auf unseren Weltenbummler und Heimatliebhaber. Und wir sind gespannt, zu was er uns noch mitreisen kann!

 

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